Die letzte Welt von Christoph Ransmayr – Ein Resonanztext statt Rezension

In einen Vogel kann ich mich nicht verwandeln.
Ich kann nur über Landschaften des Gerölls wandern, die Stille einatmen und die Geier willkommen heißen.

Welche Ordnung hat Bestand? Keine der Menschen. Götter gibt es in diesem Buch nicht. Letztantworten bleiben aus.

Ransmayr schreibt ein Buch des Loslassens. Eine poetisch, fließende, rhythmische Form, die asynchron zum gewalttätigen Inhalt steht. Verfall ist allgegenwärtig. Und dennoch entfaltet sich formal ein Gefühl von Gleichmut, Weite und Schönheit.
Bildgesättigte Prosa, die entlastend auf mich wirkt, weil sie das unsichtbare Gerüst der menschlichen Ordnung nicht erneuert, sondern es verschwinden lässt. Keine Bedeutungszuschreibungen, keine Rollenvorgaben.

Die letzte Welt ist der Antipode zu Moby Dick. Das Ozeanische wird zugelassen. Eine offene, ambivalente Bewegung, ohne Zielpunkt. Keine symbolische Struktur der Sinnproduktion.
Und diese Form trägt für mich so viel besser als die von Melville. Ein Echo als Hintergrundstruktur.

Ich denke, ich habe sehr vieles an Referenzen gar nicht mitbekommen und verstanden. Ovid’s Metamorphosen kenne ich nicht. Ein eigenartiges Buch, zu dessen Inhalt mir sehr wenig einfällt.
Es trägt allein der Resonanzraum den Ransmayr öffnet. Die reine Wahrnehmung.

Für eine ausführliche Rezension werde ich Ovid’s Matamorphosen nachschieben und die letzte Welt nochmal lesen.
Es wird also noch etwas folgen…

Kommentare

2 Kommentare
  1. Antipode zu Moby Dick? Ein fruchtbarer Hinweis. „Die letzte Welt“ gehört für mich zu den Spitzenbüchern, sowohl was Stimmung als auch Mythologie betrifft. Aber Mythologie ist ja auch nicht kopfig. Die Metamorphosen!! Ahh…Gut, dass Du sie lesen willst. Aber jetzt schon: merci!

    1. Ich hatte „Die letzte Welt“ direkt nach „Moby Dick“ gelesen. Obwohl ich „Moby Dick“ gut fand, hat mich diese Temporalisierung über das Symbolische ziemlich gegrillt. Oh weia – die Metamorphosen. Ja, liegen hier. Liegen gut. Werde die mal als gute Nacht Geschichten einbauen. Vielleicht bekomme ich sie bis Ende des Jahres durchgelesen um der letzten Welt in einer Besprechung gerechter zu werden 🙂
      Hast andere Ransmayrs gelesen? Ich hab als nächstes die Wahl zwischen „Morbus Kithara“ und „Der Fallmeister“. Welches zuerst?

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