Die letzte Welt von Christoph Ransmayr – Ein Resonanztext statt Rezension

In einen Vogel kann ich mich nicht verwandeln.
Ich kann nur über Landschaften des Gerölls wandern, die Stille einatmen und die Geier willkommen heißen.

Welche Ordnung hat Bestand? Keine der Menschen. Götter gibt es in diesem Buch nicht. Letztantworten bleiben aus.

Ransmayr schreibt ein Buch des Loslassens. Eine poetisch, fließende, rhythmische Form, die asynchron zum gewalttätigen Inhalt steht. Verfall ist allgegenwärtig. Und dennoch entfaltet sich formal ein Gefühl von Gleichmut, Weite und Schönheit.
Bildgesättigte Prosa, die entlastend auf mich wirkt, weil sie das unsichtbare Gerüst der menschlichen Ordnung nicht erneuert, sondern es verschwinden lässt. Keine Bedeutungszuschreibungen, keine Rollenvorgaben.

Die letzte Welt ist der Antipode zu Moby Dick. Das Ozeanische wird zugelassen. Eine offene, ambivalente Bewegung, ohne Zielpunkt. Keine symbolische Struktur der Sinnproduktion.
Und diese Form trägt für mich so viel besser als die von Melville. Ein Echo als Hintergrundstruktur.

Ich denke, ich habe sehr vieles an Referenzen gar nicht mitbekommen und verstanden. Ovid’s Metamorphosen kenne ich nicht. Ein eigenartiges Buch, zu dessen Inhalt mir sehr wenig einfällt.
Es trägt allein der Resonanzraum den Ransmayr öffnet. Die reine Wahrnehmung.

Für eine ausführliche Rezension werde ich Ovid’s Matamorphosen nachschieben und die letzte Welt nochmal lesen.
Es wird also noch etwas folgen…