Lunar Park von Bret Easton Ellis – was kann Pop Literatur? Erstes Brainstorming
30. September 2025Lunar Park schlich sich ein, da ich gute Pop Literatur lesen wollte. Ich hatte letzte Woche Verena Kesslers Gym gelesen. Auf meinem Goodreadsaccount kommentierte jemand, dass das Buch wie ein „ranziges kleines Kellerkonzert“ sei, das ihm viel Spass bereitet habe. Hätte es ihm so gut gefallen wenn es konsequenter durchdrungen worden wäre? Als Pop würde es gut funktionieren, da der schnelle Zugang zählen würde.
Popliteratur also.
Da hab ich mir doch kurzerhand von Moritz Baßler Handbuch Literatur & Pop zugelegt.
Bin erst bei 4%, aber die letzte Markierung fasst eigentlich schon das ganze Dilemma:
„schreibt Goetz 1985 in Spex und führt einige der Probleme vor Augen, die sich ergeben, wenn man „auf vernünftige Weise“ über Pop reden möchte: „Deshalb kann man Pop nicht denken, nicht kritisieren, nicht analytisch schreiben, sondern Pop ist Pop leben, fasziniert betrachten, besessen studieren, maximal materialreich erzählen, feiern. Es gibt keine andere vernünftige Weise über Pop zu reden, als hingerissen auf das Hinreißende zu zeigen, hey, super.“ (Goetz 1986, 188)“
Auf das Buch von Verena Kessler trifft das zu. Einfach dumpf auf die Kacke hauen, etwas Zeitgeist einfangen und diesen paralogisch verschieben. Dann schreit Anna Carina halt nicht „Hey Super“.
Nein, ich möchte meine Literatur denken. Und das geht auch mit Pop-Literatur. Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster hängen, da ich davon ausgehe, dass Baßlers Buch über Popliteratur einiges aufklären wird und ich zudem schon gute Popliteratur gelesen habe.
ua. von Christian Kracht und Bret Easton Ellis ( American Psycho und The Shards), weshalb ich ein weiteres Buch von ihm testen wollte.
Bisher ist Lunar Park ein Reinfall. Der Wahnsinn Batemans fehlt komplett. Es ist irre langweilig, rein im abbildenden Modus. BEE schreibt gut, flott, spritzig. Nur fehlt seiner Sprache die Dynamik, die den Inhalt aus sich heraus hebt. Er schreibt autofiktional und scheint seinen Vaterkomplex aufzuarbeiten. Allerdings bedient er sich hölzerner Horrorelemente, die aus der 80er Trickkiste entnommen sind. Schleim, Kratzspuren…
Das Buch ist von 2005 und wirkt erschreckend aus der Zeit gefallen.
Ich nutze diese Dynamik – mein Entsetzen über das miese Gym Buch und die daraus resultierende Fragestellung: „soll Pop nur lärmen, ironisieren, archivieren und dokumentieren ohne literarischen Anspruch?“ – um für mich klar zu ziehen wo ich in diesem Diskurs stehe und versuche Beispiele zu finden, die einen klaren formal-ästhetischen Anspruch haben oder stelle fest: „Pop ist bis auf Ausnahmen nix für Anna Carina“, da Normativ grundsätzlich eine gaaanz heiße Nummer bei mir ist.
Mal sehen. Lunar Park fällt nach meinem formal-ästhetischen Anspruch schon mal durch. Bin mir nicht sicher ob ich es überhaupt beende.
Wühle mich erst mal weiter durch das Sachbuch von Baßler. Scheint mir ertragreicher zu sein.